Titel: Comédie Francaise
Regie im Film: MARTIN DARONDEAU & BERTRAND USCLAT
Regie im Theater: PAULINE CLÉMENT
Besetzung: PAULINE CLÉMENT, LAURENT STOCKER, JULIEN FRISON, MARINA HANDS, ADELINE D’HERMY und als Baby: NOÉ GRIVEAU NADAL
Kinostart: 24.12.2026
Trailer: COMÉDIE-FRANÇAISE l Offizieller OmU-Trailer
!!! ACHTUNG !!! Am Anfang dieser Kritik muss eine wichtige Trigger-Warnung für Schauspielende stehen: Dieser Film kann bei darstellenden Künstlern mit traumatischen Vorerfahrungen ein sogenanntes Flashback oder starke Angstreaktionen auslösen.

Das liegt vor allem daran, weil er einfach zu gut ist. Es handelt sich hier nämlich nicht um eine halsbrecherische Neuinterpretation des klassischen Stoffes des schottischen Stückes am geschichtsträchtigen Nationaltheater Comédie-Française. Vielmehr sind es die in der Tat halsbrecherischen letzten drei Stunden, die der jungen Regisseurin Nina noch bleiben, um ihren Premierenabend gut über die Bühne zu bringen. Gut über oder auf die Bühne bringen lässt sich an diesem Tag jedoch rein gar nichts! Ein peinlich-pedantischer Portier oder ein über der Bühne schwebender Kinderwagen sind dabei noch das geringere Übel. Selbst die Bühnenbeleuchtung macht unmissverständlich klar, dass das absolute Chaos Einzug in die altehrwürdigen Gemäuer gehalten hat. Eigentlich Grund genug für Nina, alles abzublasen, doch in der Comédie-Française gilt ein ungeschriebenes Gesetz: die Vorstellung wird nicht abgesagt – unter keinen Umständen!

Und so nimmt das Geschehen seinen Lauf. Gewiss, wir haben solche Darstellungen schon oft in Filmen und teilweise sogar auf der Bühne gesehen, aber selten so direkt und persönlich. Es wirkt fast wie ein Kammerspiel. Jede einzelne Figur lebt, ist persönlich und authentisch. Nicht nur das Ensemble, sondern der ganze Theaterbetrieb. Von der Maske, der Garderobe über den Theaterdirektor bis zur Kulturministerin. Es ist eine Verbeugung vor diesem großartigen Konstrukt Theater, dass erschaffen wurde um wahre Momente auf die Bühne zu bringen. Das ist sehr kleine und unbeschreiblich große Kunst auf den menschlichen Punkt gebracht.

Für uns als Zuschauer ist „Comédie Francaise“ ein Genuss, ein Feuerwerk und ein tiefer Blick in die Geschehnisse weit hinter dem Vorhang. Für Schauspielende ist es das zwar auch, aber die Szenen kennt jeder darstellende KünstlerIn nur zu gut und hat sie schon oft in seinen Alpträumen wieder und wieder erlebt. Wer weiß, vielleicht hilft dieser Film sogar bei der Aufarbeitung dieser Traumata. Aber so ist Kunst und speziell das Theater eben. Voller Schmerz und unbändiger Freude, aber eben auch zutiefst menschlich. Das Ganze kann in dem einfachen Ausdruck zusammengefasst werden, den man sich vor einer Aufführung und speziell vor einer Premiere in Frankreich immer gegenseitig wünscht: „Merde !“
