Archiv der Kategorie: Thriller

MERCY – KI ist nur ein Tool

Titel: MERCY

Regie: Timur Bekmambetov

Besetzung: Chris Pratt, Rebecca Ferguson, Kali „K.O.” Mequinonoag Reis, Annabelle Wallis, Chris Sullivan

Kinostart: 22.01.2026

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Pl3WHWBOTiQ

Endlich ein Film, der die KI mal so darstellt wie oder besser was sie ist: Ein Tool, ein Werkzeug, etwas was Menschen anwenden können. Zugegeben MERCY ist hier schon ein sehr mächtiges Werkzeug. Der Name MERCY (Erbarmen) trifft es auch nicht genau. Sie ist nämlich Richterin, Ermittlerin und Vollstreckerin in einer KI. Somit ein Agentic-System, dass mehrere KI-Agents koordiniert. Da die Verbrechenszahlen in der nahen Zukunft exponentiell nach oben gestiegen sind, benötigt man Automatisierungen und Optimierungen durch die KI um damit fertig zu werden.

Rebecca Ferguson stars as Judge Maddox in MERCY, from Amazon MGM Studios. Photo Credit: Courtesy of Amazon MGM Studios

Das funktioniert auch gut. Durch 18 durchgeführte Fälle – bei denen jeweils die Schuld bewiesen wurde – sind die Verbrechen stark gesunken. Aber beim 19ten Fall ist alles anders, da jetzt der Police-Detektive Chris Raven vor dem KI-Gericht steht. Er war ursprünglich an der Entwicklung bzw. Einführung der KI beteiligt und stand einst hinter dem System, bevor er jetzt selbst davor landet. Er trifft hier auf Judge Maddox, eine hochentwickelte KI-Instanz, die in einem speziellen „Mercy Court“ über Kapitalverbrechen verhandelt und Urteile fällt. Chris hat nun genau 90 Minuten Zeit um seine Unschuld zu beweisen und kann dabei auf alle Kameras, Beweise und Telefonverbindungen zugreifen. Dabei laufen im Film exakt die 90 Minuten ab, welche im Gericht von Chris durchlebt werden.

Chris Pratt stars as Chris Raven in MERCY, from Amazon MGM Studios. Photo credit: Justin Lubin © 2025 Amazon Content Services LLC. All Rights Reserved.

Spannend in „MERCY“ ist, dass hier die KI nicht als allumfassende Gefahr und Feind dargestellt wird. Es ist eine sehr reife Sicht auf die KI, welche wohl nur durch einen Regisseur umgesetzt werden kann, der sich im Thema auskennt. Der Regisseur Timur Bekmambetov ist „leidenschaftlich“ an der digitalen Welt interessiert und nutzt MERCY bewusst, um zu zeigen, wie sehr unser Alltag bereits aus Fenstern, Klicks und Nachrichten besteht. Mit der Gerichts-KI geht er einen Schritt weiter, nämlich zu den Agentic-Systems. MERCY stellt KI als extrem leistungsfähiges Werkzeug dar, das jedoch nie „Alternative zum Menschen“ werden sollte, sondern Hilfsmittel, das menschliche Entscheidungen unterstützt und genau so agiert es.

Actor Chris Pratt and director Timur Bekmambetov on the set of their film MERCY, from Amazon MGM Studios. Photo credit: Justin Lubin © 2025 Amazon Content Services LLC. All Rights Reserved.

Neben diesen ganzen technischen Details ist MERCY aber auch noch ein sehr guter actionreicher Krimi. Chris Raben muss schnell und mit all seiner Erfahrung als Detektive seine Unschuld beweisen. Hierbei ist es offen, ob er es einerseits schaffen wird und ob er andererseits überhaupt unschuldig ist. Das ist spannend und zieht den Zuschauer in die Gerichtsverhandlung von Chris durch die AI. Anfängliche Sympathien bröckeln und man beginnt selbst zum Detektive zu werden und den Fall zu lösen. Das gelungene Ende des Films belohnt dann die eigenen Ermittlungen und man hat in einem äußerst spannendem Trailer gelernt was die KI eigentlich ist: Ein Tool. Eine Besonderheit sei noch erwähnt. Die Darstellerin der Police-Team-Partnerin Ana wird von Kali Reis dargestellt. Sie ist eine US-amerikanische Profiboxerin und Schauspielerin. Sie ist Weltmeisterin in zwei Gewichtsklassen und hält seit 2020 den WBA-Titel im Halbweltergewicht, die WBO- und IBO-Titel im Halbweltergewicht seit 2021; und den WBC-Titel im weiblichen Mittelgewicht im Jahr 2016. Somit sind die realistische Kampfszenen in MERCY perfekt umgesetzt und bieten den nötigen ernsthaften Background.

Kali Reis stars as Ana in director Timur Bekmambetov’s film MERCY, from Amazon MGM Studios. Photo credit: Justin Lubin © 2025 Amazon Content Services LLC. All Rights Reserved.

DUST BUNNY – Kindermonster sind die Schlimmsten

Titel: DUST BUNNY

Drehbuch & Regie: Bryan Fuller

Besetzung: Mads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sigourney Weaver, David Dastmalchian, Rebecca Henderson, Sheila Atim

Kinostart: 19.02.2026

Trailer: LINK

DUST BUNNY ist ein wunderschöner Film mit vielen Monstern!!! Was sich wie ein Widerspruch anhört wird zur Maxime. Beginnen wir mit der Ausstattung. Es gibt wohl wenige Filme, welche sich so intensiv mit der Ausgestaltung des Settings und der Kostüme beschäftigen. Die Räume und Halen sind wunderschön. Fast möchte man auf Pause drücken um sich daran satt zu sehen. Sie unterstützen die Handlung, schärfen die Wahrnehmung und wirken somit wie ein starkes Gewürz für unsere Sinne. Mit den Kostümen verhält es sich ähnlich und so wird man sanft in diese Welt von DUST BUNNY hineingezogen.

Es ist die Welt der kleinen Aurora, die in ständiger Angst vor einem Monster lebt, das angeblich unter ihrem Bett lauert. Seit „Six Sense“ hat man wohl nicht mehr eine ähnlich intensive Kinderdarstellerin gesehen. Sophie Sloan haucht der kleinen Aurora eine kindliche Ernsthaftigkeit ein, welche fasziniert ohne einen Erwachsenen nachzuahmen. Sie hat durchaus kindliche Argumente, welche sie aber strukturiert einsetzt und genau formuliert. Schnell hat man sie ins Herz geschlossen und sorgt sich um sie. Denn das Monster ist für sie wirklich schrecklich.

Deshalb bittet sie den Killer (Mads Mikkelsen) von der Wohnung gegenüber um Hilfe und das ist alles kein Zufall. Schnell verweben sich die Geschichten der handelnden Personen ineinander. Mit jeder neuen Person welch in der Film tritt, werden diese Fäden mehr und enger verwoben. Sie werden genau ausgelegt, betrachtet und besprochen. So wird das Netz immer enger, bis es mit einem großen Knall zerreißt. Aber auch das ist Wunderschön!!!

Was den Film weit über den Durchschnitt erhebt ist sein künstlerischer Ansatz auf allen Ebenen. Kunst öffnet den Raum für Interpretationen und das Monster steht für so viel unterschiedliches, dass die Möglichkeiten der Interpretation viele sind. Das heißt aber nicht, dass der Film keine eigene Geschichte erzählt. Die Erzählung verzaubert und führt uns den Weg in die eigene Fantasie. Das ist was das Genre Film ausmacht und ist hier sehr gelungen umgesetzt. Daneben laufen neben der hervorragenden jungen Sophie auch die etablierten Schauspielenden zur Höchstform auf. Es scheint als ob sie das Spiel miteinander, mit dem Monster und mit so vielen weiteren Ebenen des Films genießen.

Black Bag – Doppeltes Spiel – Geheimnisse im Geheimdienst

Regie: Steven Soderbergh

Besetzung: Cate Blanchett, Michael Fassbender, Pierce Brosnan

Kinostart: 15.05.2025

Trailer: (7) BLACK BAG – DOPPELTES SPIEL | Offizieller Trailer deutsch/german HD – YouTube

Es ist eine Welt, die man als normaler Bürger nicht kennen darf und das ist auch die Faszination daran. Wie steht es aber innerhalb des Geheimdienstes mit Geheimnissen? Es gibt ja zahlreiche Hierarchien und Geheimhaltungsstufen. Nicht jeder darf alles wissen und manches Wissen ist nur den obersten Riegen vorbehalten. Dazu kommt noch der schwierige Tatbestand des Black Bags.

(L to R) Michael Fassbender as George Woodhouse, Tom Burke as Freddie Smalls and Pierce Brosnan as Arthur Steiglitz in director Steven Soderbergh’s BLACK BAG, a Focus Features release. Credit: Claudette Barius/Focus Features © 2025 All Rights Reserved.

Die direkte Übersetzung von „Black Bag“ könnte man als verdeckte Operation bezeichnen. Der Begriff Black Bag wird unter den Geheimagenten sehr oft verwendet. Wann immer eine Frage zu weit geht, ist die passende Antwort „Black Bag“. Damit kann man die Weitergabe von Geheimnissen einfach verhindern. Es kann aber auch dazu dienen um solche Tatverhalte wie „Fremdgehen“, „Verrat“ oder weitere Tatbestände ideal zu tarnen. Genau in diesem Spannungsfeld spielt „Black Bag – Doppeltes Spiel“.

(L to R) Tom Burke as Freddie Smalls and Michael Fassbender as George Woodhouse in director Steven Soderbergh’s BLACK BAG, a Focus Features release. Credit: Claudette Barius/Focus Features © 2025 All Rights Reserved.

Es ist ein Art von erweitertem Kammerspiel. Der Dreh- und Angelort ist ein gemeinsames Essen im privaten Haus des Geheimdienst-Ehepaars George Woodhouse (Michael Fassbender) und Kathryn St. Jean (Cate Blanchett). George wurde beauftragt den Maulwurf innerhalb des britischen Geheimdienst zu finden und zum Essen eingeladen sind die vier Verdächtigen.

(L to R) Regé-Jean Page as Col. James Stokes, Naomie Harris as Dr. Zoe Vaughn, Michael Fassbender as George Woodhouse, Cate Blanchett as Kathryn St. Jean, Tom Burke as Freddie Smalls, and Marisa Abela as Clarissa Dubose in director Steven Soderbergh’s BLACK BAG, a Focus Features release. Credit: Claudette Barius/Focus Features © 2025 All Rights Reserved.

Es ist schwer zu fassen, wie spannend eine private Essenseinladung sein kann. Stephen Soderbergh ist hier in einer Linie des Großmeisters Alfred Hitchcock zu sehen. Die Präzession der Dialoge entspricht der Präzession der Agenten. Jedes Wort und Betonung ist perfekt gewählt und wird zu einem Kampf der Worte. Am Ende der Handlung kommt es zu einer weiteren Essenseinladung mit den gleichen Teilnehmern und man kann leicht erkennen, dass hier nun alle Stränge zusammengeführt werden.

(L to R) Michael Fassbender as George Woodhouse and Marisa Abela as Clarissa Dubose in director Steven Soderbergh’s BLACK BAG, a Focus Features release. Credit: Claudette Barius/Focus Features © 2025 All Rights Reserved.

„Black Bag – Doppeltes Spiel“ ist ein weiteres Prunkstück von Soderbergh. Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Das Casting, die Inszenierung, die Ausstattung, die Locations, das Licht, die Musik und nicht zuletzt der Schnitt sind perfekt gewählt und abgestimmt. Das ganze ist wie ein hervorragendes und ausgewogenes festliches Festessen. Somit einfach zum Genießen.

Director Steven Soderbergh on the set of BLACK BAG, a Focus Features release. Credit: Claudette Barius/Focus Features © 2025 All Rights Reserved.

ISS – Ein Spiegelbild der Erde

Regie: Gabriela Cowperthwaite

Besetzung: Ariana DeBose, John Gallagher Jr., Masha Mashkova, Pilou Asbæk, Costa Ronin, Chris Messina

Erscheinungsdatum: 18.07.2024

Trailer: (41) I.S.S. Trailer German Deutsch (2024) – YouTube

Die International Raumstation ISS (International Space Station) ist ein Symbol der Zusammenarbeit zwischen der U.S.A. und Russland. Soweit die Theorie und der gute Ansatz. Was passiert aber, wenn – wie es aktuell geschieht – weiterführende Konflikte zwischen U.S.A. und Russland auf der Erde geschehen. Es ist eine wichtige Tatsache, dass die Astronauten Befehlen von der Erde folgen müssen.

Das ist das grundlegende Spannungsfeld des Thrillers ISS. Das sehr gute Drehbuch geht aber noch weit darüber hinaus. Neben den puren Fakten sind es 6 Menschen, welche zum Zeitpunkt der Handlung in der ISS auf engstem Raum und unter fragilen Lebensbedingungen leben. Alle 6 haben unterschiedliche Charaktere, Lebenssituationen, Pflichtverständnisse und Moralvorstellungen.

In diesen Mix werden während des Films die Schrauben auch noch weiter angezogen, so dass trotz der Lautlosigkeit im Raum die Spannungsfelder fast hörbar knistern. Klar hervorzuheben ist die fantastische genaue Dramaturgie des Drehbuchs. Die kleinsten Handlungen und Aktionen passen ins Bild und sind nachvollziehbar. Eine harmlose Situation wie das zubereiten eines Sandwiches mit einem Messer (!) wird hier zur Nagelprobe.

Das gute Drehbuch wird durch die persönlichen und uneitlen Darstellungen der Schauspielenden umgesetzt. Die einzelnen Rollen werden hierbei auch in ihren Schattenseiten dargestellt ohne die Personen zu verraten. Auch wenn eine Handlung scheinbar als schlecht oder unmoralisch interpretiert werden kann ist sie nachvollziehbar und wirkt nicht konstruiert.

An einem zentralen Punkt wird das Spiegelbild der ISS zur Erde ganz besonders deutlich. Als die beiden Anführer der beiden Nationen in einen zentralen Konflikt geraten wird deutlich wie zerstörerisch die aktuellen Machtstrukturen auf der Erde und somit auch auf der ISS sind. Nachdem dies offenbar wurde fiebert man dem Ende des Films und deren Auflösung zu. Wenn man der Meinung ist, dass ein gut durchdachtes Ende eines Films ein zentrales Qualitätsmerkmal ist, so geht man Ende sehr zufrieden in die Realität auf der Erde zurück.