Archiv der Kategorie: Komödie

Rache ist süß !?!

Titel: Monsieur Robert kennt kein Pardon

Regie: Pierre François Martin-Laval

Besetzung: Christian Clavier, Isabelle Nanty, Jennie-Anne Walker

Kinostart: 05.03.2026

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=nkuNqe9vbws

Robert Poutifard (Christian Clavier) war Lehrer an einer Grundschule mit vielen Hoch- und vor allem Tiefpunkten. Jetzt in der Rente kann er seinen lange geschmiedeten Plan umsetzen. Er will sich an vier seiner ehemaligen Grundschülern rächen, welche sie ihm übelst mitgespielt haben und inzwischen erwachsen sind. Aber macht das Sinn?

Für Monsieur Robert auf alle Fälle, weil er durch den heimtückischen Streich seiner ehemaligen Schüler seine große Liebe kurz vor der Verlobung verloren hat. Also gibt er Vollgas. Wer Christian Clavier kennt, der weiß, dass er Vollgas mal so richtig gut kann und als Monsieur Robert kann er sich voll ausleben. Das ist für Liebhaber ein Genuss und für die anderen heftiger Klamauk. Aber es ist mehr als Klamauk, es ist ein Aktionismus, der aus einer tiefen Tragik entsteht. Diese zusätzliche Ebene schwingt immer mit und gibt dem Chaos menschliche Tiefe.

So nimmt das Geschehen seinen Lauf und immer absurder werden seine – sehr erfolgreichen – Racheaktionen. Dazu steigt noch seine Mutter mit ein, die es liebt mal wieder so richtig Aufruhr zu stiften. Der Apfel fällt hier definitiv nicht weit vom Stamm. In der letzten Racheaktion gibt es aber Risse im Feindbild und so auch unterschiedliche Interpretationen zwischen Mutter und Sohn. Genau hier wird „Monsieur Robert kennt kein Pardon“ spannend und man bangt um die richtige Entwicklung.

Da das Ende nicht enttäuscht kann man „Monsieur Robert kennt kein Pardon“ als durchaus stimmigen und am Ende nachdenklichen Film werten. Ansonsten genießt man den perfekten Klamauk von Christian Clavier. Denn in solcher Perfektion und Absurdheit kann man ihn wohl nirgend wo anders genießen. Somit Vollgas ins Kino.

DUST BUNNY – Kindermonster sind die Schlimmsten

Titel: DUST BUNNY

Drehbuch & Regie: Bryan Fuller

Besetzung: Mads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sigourney Weaver, David Dastmalchian, Rebecca Henderson, Sheila Atim

Kinostart: 19.02.2026

Trailer: LINK

DUST BUNNY ist ein wunderschöner Film mit vielen Monstern!!! Was sich wie ein Widerspruch anhört wird zur Maxime. Beginnen wir mit der Ausstattung. Es gibt wohl wenige Filme, welche sich so intensiv mit der Ausgestaltung des Settings und der Kostüme beschäftigen. Die Räume und Halen sind wunderschön. Fast möchte man auf Pause drücken um sich daran satt zu sehen. Sie unterstützen die Handlung, schärfen die Wahrnehmung und wirken somit wie ein starkes Gewürz für unsere Sinne. Mit den Kostümen verhält es sich ähnlich und so wird man sanft in diese Welt von DUST BUNNY hineingezogen.

Es ist die Welt der kleinen Aurora, die in ständiger Angst vor einem Monster lebt, das angeblich unter ihrem Bett lauert. Seit „Six Sense“ hat man wohl nicht mehr eine ähnlich intensive Kinderdarstellerin gesehen. Sophie Sloan haucht der kleinen Aurora eine kindliche Ernsthaftigkeit ein, welche fasziniert ohne einen Erwachsenen nachzuahmen. Sie hat durchaus kindliche Argumente, welche sie aber strukturiert einsetzt und genau formuliert. Schnell hat man sie ins Herz geschlossen und sorgt sich um sie. Denn das Monster ist für sie wirklich schrecklich.

Deshalb bittet sie den Killer (Mads Mikkelsen) von der Wohnung gegenüber um Hilfe und das ist alles kein Zufall. Schnell verweben sich die Geschichten der handelnden Personen ineinander. Mit jeder neuen Person welch in der Film tritt, werden diese Fäden mehr und enger verwoben. Sie werden genau ausgelegt, betrachtet und besprochen. So wird das Netz immer enger, bis es mit einem großen Knall zerreißt. Aber auch das ist Wunderschön!!!

Was den Film weit über den Durchschnitt erhebt ist sein künstlerischer Ansatz auf allen Ebenen. Kunst öffnet den Raum für Interpretationen und das Monster steht für so viel unterschiedliches, dass die Möglichkeiten der Interpretation viele sind. Das heißt aber nicht, dass der Film keine eigene Geschichte erzählt. Die Erzählung verzaubert und führt uns den Weg in die eigene Fantasie. Das ist was das Genre Film ausmacht und ist hier sehr gelungen umgesetzt. Daneben laufen neben der hervorragenden jungen Sophie auch die etablierten Schauspielenden zur Höchstform auf. Es scheint als ob sie das Spiel miteinander, mit dem Monster und mit so vielen weiteren Ebenen des Films genießen.

EXTRAWURST – Der neue Rosemüller Film

Titel: Extrawurst

Regie: Marcus H. Rosemüller

Besetzung: Hape Kerkeling, Fahri Yardim, Anja Knauer, Gaby Dohm

Kinostart: 15.01.2026

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=YbC8F45HRr4

v.r.n.l.: Matthias (Friedrich Mücke), Torsten (Christoph Maria Herbst), Heribert (Hape Kerkeling)

Dieser Film lässt sicher niemanden unberührt. Es ist ein ganz normaler Film über eine ganz normale Vereinssitzung in einem ganz normalen Tennisclub mit ganz normalen Mitgliedern. Aber leider ist für jeden einzelnen der Begriff „normal“ eben etwas total anderes. Jeder versucht dabei seine Vorstellung von „normal“ den anderen überzustülpen und das ist überraschenderweise sehr witzig. Dabei beginnt alles ganz harmlos. Die Vereinssitzung ist schon fast am Ende, da muss nur noch kurz der Grill für das nächste Vereinsfest besprochen werden. Aber dann steht die selbstbewusste Vereinsmeisterin Melanie Pfaff auf und frägt ob man nicht einen Extragrill für die türkischen Mitglieder aufstellen könnte. Ihr Glaube verbietet es Ihnen, dass sie Essen von einem Grill nehmen auf dem Schweinefleisch gegrillt wurde. Diese eine Frage entzündet eine Diskussion, die immer weitere Blüten treibt.

Seit Jahren erleben wir, wie die Debattenkultur in Deutschland den Bach runtergeht. In dem neuen Film von Marcus H. Rossemüller „EXTRAWURST“ ist das aber ziemlich anders. Dabei ist EXTRAWURST zu 80 Prozent Komödie und zu 20 Prozent Drama und das ist eine tolle Mischung. Der Film basiert auf dem Theaterstück EXTRAWURST welches 2019 uraufgeführt wurde und schnell zu einem der erfolgreichsten und meistgespielten Stücke auf deutschen Bühnen avancierte ist. Es trifft den Nerv, weil es ein Abbild der Gegenwart ist. Die Besonderheit des Theaterstückes ist, dass sich das Publikum in die Diskussion einbringen kann. Niemand muss sich oder seine Meinung verstecken, jeder darf am Ende abstimmen, ob ein zweiter Grill für die kleine Minderheit angeschafft wird, ob also der türkische Tennisspieler Erol seine „Extrawurst“ bekommt. Die Presse schrieb: „Der Abend macht großen Spaß, weil er bei aller Überzeichnung vor allem eins ist: Erschreckend wahr.“

Hape Kerkeling + Anja Knauer + Fahri Yardim

Im Kinofilm ist das natürlich nicht möglich, aber wir fragen uns nach dem Film schon was eigentlich unsere Meinung dazu ist. Vor allem weil die Diskussion bald in alle Richtungen geht. Warum hat hier schon wieder eine Frau gefragt, die ja immer Unruhe in den Verein bringen. Wenn es einen Extragrill für die türkischen Mitglieder gibt, darf der dann größer sein als der Grill für die deutschen Mitglieder? Müssen wir jetzt alle Veganer werden, wenn wir diese Frage nicht klären können? Man merkt schnell, dass die EXTRAWURST hier nur ein Platzhalter ist für so viele Meinungen welche in diesem Film aufeinander treffen. Wie in jeder Komödie eskaliert das alles immer weiter. Einerseits lacht man dabei lauthals los und andererseits bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

Anja Knauer – Christoph Maria Herbst

Damit der Film so gut funktioniert, braucht es aber nicht nur einen hervorragenden Regisseur wie Marcus H. Rosemüller („Wer früher stirbt ist länger tot“, „Beckenrand Sheriff“, „Pumuckl und das große Missverständnis“) sondern auch sehr feinfühlige Schauspieler. Die gibt es in EXTRAWURST viele. Allen voran Hape Kerkeling („Club Las Piranhas“, „Ich bin dann mal weg“, „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“) der es wieder einmal schafft uns auf äußerst witzige Art an der Nase herumzuführen. Fahri Yardim („Keinohrhasen“, „Jerks“) spielt Erol Oturan – übrigens der einzige türkische Spieler des Tennisvereins – mit einer so entwaffnenden Herzlichkeit, dass man ihm am liebsten in allen Punkten recht geben möchte.

Neben den vielen männlichen Schauspielern gibt es noch etliche starke Frauen in EXTRAWURST. Anja Knauer („Tsunami“, „Résiste – Aufstand der Praktikanten“) bringt nicht nur mit Ihrer ersten Frage den Stein ins Rollen, sondern mischt auch den ganzen Männerverein so richtig wohltuend auf. Gaby Dohm („Das Schlangenei“, „Das Traumschiff“) als Grand Madame des deutschen Film/TV ist auch in EXTRAWURST über allen Zweifeln erhaben und versucht standhaft Ihre Contenance zu wahren. Aber das fällt sogar ihr schwer.

Gaby Dohm

Abschließend ist zu sagen, dass EXTRAWURST absolut sehenswert ist, da er unsere Sicht auf die deutsche Gesellschaft ändert. Wir sehen danach die Welt anders und haben vielleicht mehr Lust auf Diskussionen. Es hilft, wenn man die eigene Meinung mal in Frage stellt und sich die Argumente der anderen zu Gemüte führt. So kommt man am Ende zu einer vielschichtigen Meinung, welche uns allen hilft und unser Leben reicher macht. In diese Richtung geht auch das Ende des Films, aber ganz sicher anders als man es sich vorstellen kann. Viel Spaß dabei.

Zweigstelle – Himmlische Behörde

Titel: Zweigstelle – Bürokratie kennt kein Jenseits

Regie: Julius Grimm

Besetzung: Sarah Mahita, David Ali Rashed, Nhung Hong, Beritan Balci, Julian Gutmann, Luise Kinseher, Johanna Bittenbinder, Rainer Bock, Maximilian Schafroth, Rick Kavanian, Florian Brückner, Simon Pearce, Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys

Kinostart: 09.10.2025

Trailer: (5) Zweigstelle | Trailer Deutsch HD | Ab 09. Oktober im Kino – YouTube

Mit dem Leben nach dem Tod hat man sich in Bayern ja schon immer sehr gerne beschäftigt. Stücke wie „Der Müchner im Himmel“, „Der Brandner Kasper und das ewig‘ Leben“ oder „Wer früher stirbt ist länger tot“ sind weit über die Grenzen von Bayern bekannt geworden. Diesen Weg könnte auch der Film „Zweigstelle“ gehen. Julius Grimm hat in seinem Erstlingswerk ein spannendes Universum nach dem Tod aufgebaut. Denn auch der Himmel will gut verwaltet sein und deshalb kommen die Seelen erst mal in eine stramm geführt bayerische Behörde. Der Traum jedes braven Bürgers.

Aber die Verteilung der Seelen ist alles andere als einfach und so leiden die Beamten schwer an Ihrer Arbeitslast. Unzählige unterschiedliche Glaubensrichtungen, Atheismus und Leichtgläubigkeit machen es kompliziert und auch das NICHTS ist nicht immer der letzte Ausweg. Vor allem wenn es mal kaputt ist. Schnell wird man als Zuschauer in diese behördliche Zweigstelle hineingezogen und versucht dringend einen Ausweg zu finden. Die herrliche bayerische Absurdität wird von der Behördenband „Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys“ noch verstärkt und schon bald lernt man die Zweigstelle zu lieben.

Besonders hervorzuheben ist die sehr gut gewählte Besetzung des Films. Die Newcomer sind die Seelen, welche in die Zweigstelle zur Bearbeitung kommen. Die erfahrenen Schauspielenden sind die Beamten, Totengräber und Hausmeister die sich mit Ihnen beschäftigen. In diesem Spannungsbogen ergibt sich ein perfektes Zusammenspiel mit faszinierenden Highlights. Das führt zu immer neuen schrägen Wendungen welche auf ein überraschendes Ende hinauslaufen.

Am Ende stellt sich die Frage ob der Film „Zweigstelle“ an die großen bayerischen Erfolge anknüpfen wird? Wir sind der Meinung, dass er zwar im gleichen Atemzug erwähnt werden wird, aber einen ganz eigenen und überzeugenden Weg geht. Diesen tollen Weg wünschen wir auch dem Regisseur Julius Grimm, der neben dem Film auch dem Theater treu bleiben wird.

RIFF RAFF – Im Alter kommt die Klasse

Regie: Dito Montiel

Besetzung: Bill Murray, Ed Harris, Jennifer Coolidge, Pete Davidson, Lewis Pullman, Emanuela Postacchini, Gabrielle Union

Erscheinungsdatum: 27.03.2025

Trailer: (118) RIFF RAFF – Verbrechen ist Familiensache – Kinotrailer Deutsch HD – Release 27.03.25 – YouTube

Es ist eine Freude, wenn man Menschen zusehen kann, die Ihr Handwerk verstehen. Da sitzt jeder Handgriff und des Endprodukt hat echt Klasse. So ist es auch in RIFF RAFF. Ganz sicher Trash, aber auf was für einem hohem Niveau!!!

In dem herrlich alltäglich ausgestattetem Setting sind die Figuren sichtlich zu Hause. Sie tragen die Klamotten teilweise schon seit Tagen und man glaubt den Muff zu riechen. Das sind echte Menschen, die aber alles andere als normal sind. Wenn hier jemand mal normal angelegt ist, dann auch wieder so übertrieben, dass es schon wieder weit drüber ist.

Das alles führt zum idealen Setting für eine perfekte Geschichte in der man laufend in andere Handlungsstränge und Wendungen verstrickt wird. Dabei ist aber jede Wendung logisch und nachvollziehbar. Überraschend und erschreckend, aber immer intelligent und den Figuren entsprechend.

Das Schönste ist dabei der Genuss der Schauspielenden an den Rollen. Die Freude mit der Figur und deren Entwicklungen führt dazu, dass das Ensemble alle Zeit der Welt hat. Dies führt aber nicht zur Überlänge, sondern zu einer perfekt umgesetzten Story, die man genießen kann. Im Alter kommt eben die Klasse.

Was ist schon normal – Artus mal 2

Regie & Drehbuch: Artus

Besetzung: Artus, Clovis Cornillac, Alice Belaïdi, 11 Laiendarstellende als die Reisegruppe

Erscheinungsdatum: 17.01.2025 auf Blu-ray, DVD, TVoD

Trailer: (23) WAS IST SCHON NORMAL? | Offizieller Trailer – YouTube

Artus ist in Deutschland zwar weniger bekannt, aber in Frankreich eine ganz große Nummer. Wie so oft haben es französische Darsteller schwer auch international zu punkten. Mit dem Thema Inklusion hat es der Mainstream auch oft schwer und da muss schon eine sehr gute Komödie entstehen, damit es auch beim breiten Publikum ankommt. „Ziemlich beste Freunde“ ist hier ein allseits bekanntes Beispiel und „Was ist schon normal“ hat ähnliches Potential.

Nach einem Raubüberfall flüchten Paulo (Artus) und sein Vater (Clovis Cornillac) vor der Polizei und finden ausgerechnet Unterschlupf in einem Reisebus, der junge Erwachsene mit Behinderung an ihren Urlaubsort in die Berge bringen soll. Paulo und sein Vater geben sich kurzerhand als der fehlende Mitreisende Sylvain und dessen Betreuer aus – eine fast perfekte Tarnung. Allerdings ist es auf die Dauer schwer nicht normal zu sein und über allem steht die große Frage: Was ist schon normal?!?

Besonders gelungen ist die Besetzung des Reiseteams mit Menschen mit Behinderung. Diese spielen so herrlich authentisch und unbekümmert, dass man selbst gerne auf diese Reise mit Ihnen gehen würde. Dabei ist der Alltag alles andere als leicht, da „normale“ Grenzen in der Gruppe ständig überschritten werden. Aber das alles ist so fröhlich, so traurig, so tragisch und auch so befreiend.

So findet man es am Schluss schade, dass die Reise vorbei ist, aber das Ende lässt neue Reisen offen und zur Not kann man sich ja jetzt die DVD, die Blu-ray oder das TVoD einfach nochmal ansehen. Die Extras auf der DVD und der Blu-ray sind überdies sehr persönlich und die Synchronsprecher sind teilweise Schauspielende und Laien mit Behinderungen.

Alter weisser Mann – Überraschend tiefgründig

Regie: Simon Verhoeven

Besetzung: Jan Josef Liefers, Nadja Uhl, Friedrich von Thun,
Michael Maertens, Meltem Kaptan, Elyas M’Barek

Erscheinungsdatum: 31.10.2024

Trailer: (236) Alter Weisser Mann – Trailer (deutsch/german; FSK 0) – YouTube

Der Begriff „alter weißer Mann“ ist für viele ein Synonym für ähnlich gelagerte „Kampfbegriffe“, seien es „Ökokriegerin“ oder „Gutmensch“, die längst zu politischen Schlagwörtern geworden sind, zu Kampfansagen. Weil Menschen sich eben gerne gegenseitig in besagte Schubladen stecken. Der Regisseur und Drehbuchautor Simon Verhoeven will sie da herausholen. Er plädiert für eine differenziertere Haltung, für das Feiern von Unterschieden, von Individuen, will zeigen, dass es viel sinnvoller ist, gemeinsam zu lachen – auch über sich selbst! – und Brücken zu bauen, anstatt zu separieren und Lager zu bilden. „Der Film ist ein Versuch, eine zersplitterte Gesellschaft zusammen an einen Tisch zu setzen und sie streiten zu lassen, aber sich auch als Menschen begegnen zu lassen“, unterstreicht die Produzentin Kirstin Winkler.

Haus Hellmich – Wohnzimmer. Die elegante Gesellschaft begrüsst Heinz, Georg und Hilmal,und wundern sich über sein Outfit. Heinz Hellmich (Jan Josef Liefers) Opa Georg Hellmich (Friedrich von Thun) Hilmal (Juri Rother)

Gleichzeitig hält Verhoeven fest: „Ich mache natürlich eine große Unterscheidung zwischen progressivem Denken, das sensibel ist hinsichtlich Diskriminierungen, bei dem man sich selbst auch in Frage stellt, und einem radikalen Zeitgeist von einigen wenigen, die es völlig übertreiben und jeglichen Willen zur Verständigung außerhalb der eigenen Blase verlassen haben. Diese radikale, pseudoreligiöse Sorte von Wokeness, ist es, die ich in meiner Komödie, neben vielem anderem, auf die Schippe nehme. Diese rigorose Zuspitzung der Ideologie von manchen schadet in Ihrer Radikalität letztlich eher demokratischen Anliegen und hilft nur Rechtsaußen.“

Das hat Verhoeven perfekt umgesetzt. Einerseits hat er eine – für deutsche Filme überraschende – Leichtigkeit und einen guten Rhythmus / Schnitt und andererseits tauchen in dieser Leichtigkeit dann unerwartete Tiefen, Verwirrungen und Überraschungen auf. Das ist frisch und hebt das Thema auf ein gutes Level. Die auf den ersten Blick platten Figuren des Films bekommen so nach und nach Tiefe, Charakter und Profil. Man kann sich hier mit unterschiedlichen EigenschaftProtagonisten identifizieren und erkennt die Vielschichtigkeit des Diskurs. Somit wurde es ein überraschend schneller und faszinierender Film. Respekt!

Haus Hellmich – Wohnzimmer. Heinz „beichtet“ seine Kinder, dass er Scheisse gebaut hat an der Börse. Carla Hellmich (Nadja Uhl) Heinz Hellmich