Rom Com für Studierte

Titel: Ein fast perfekter Antrag

Regie: Marc Rothemund

Besetzung: Iris Berben, Heiner Lauterbach

Kinostart: 26.02.2026

Trailer: (25) Ein fast perfekter Antrag – Trailer (deutsch/german; FSK 0) – Ab 26.02.2026 im Kino – YouTube

OK, eine Rom Com (Romantic Comedy) ist ja schon von jeher ein klassisches Thema mit wenig Überraschungen. Entscheidend ist somit das Timing, die Schnitte und die Dialoge. Das Setting wäre eigentlich ideal. Wir haben zwei sehr erfahrene und durchaus kantige Schauspielende und einen Regisseur, der zum Beispiel mit „Mein Blind Date mit dem Leben“ durchaus Format auf die Leinwand gebracht hat. Wie sieht es aber bei „Ein fast perfekter Antrag“ aus?

Leider gar nicht gut. Sicher es gibt ein paar wenige Momente an denen man Klasse erkennen kann. Diese werden aber nicht zu Ende geführt und verpuffen. Dazu gibt es etliche klassische Themen, welche in Ihrer Umsetzung nicht überraschen. So zeigt sich er aus seiner Sicht jung gebliebene Diplom-Rentner Walter (Heiner Lauterbach) am Anfang von seiner knöchrigen alten Mann Seite und wird dann im Laufe des Films immer weicher und aufgeschlossener. Das haben wir schon öfter gesehen und die Umsetzung wirkt gestelzt.

Alice (Iris Berben), die lebensfrohe und freigeistige Kunstprofessorin wirkt dagegen am Anfang äußerst progressiv. Sie gibt hierbei dem ständigen Werben Ihrer Jugendliebe Walter konstant kontra und hier entstehen dann auch die wenigen wirklich witzigen Szenen. Zum Ende verpufft aber auch dieser Effekt. Dazu gibt es noch die üblichen Studierendenmix welcher sämtliche Gruppen abdeckt, damit sich jeder darin wiederfinden kann.

„Ein fast perfekter Antrag“ ist von der ARD produziert und wird nach dem Kino wohl bald im Abendprogramm landen und da gehört er irgendwie hin. Somit Unterhaltung ohne Kanten und wirkliche Tiefe.

EXTRAWURST – Der neue Rosemüller Film

Titel: Extrawurst

Regie: Marcus H. Rosemüller

Besetzung: Hape Kerkeling, Fahri Yardim, Anja Knauer, Gaby Dohm

Kinostart: 15.01.2026

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=YbC8F45HRr4

v.r.n.l.: Matthias (Friedrich Mücke), Torsten (Christoph Maria Herbst), Heribert (Hape Kerkeling)

Dieser Film lässt sicher niemanden unberührt. Es ist ein ganz normaler Film über eine ganz normale Vereinssitzung in einem ganz normalen Tennisclub mit ganz normalen Mitgliedern. Aber leider ist für jeden einzelnen der Begriff „normal“ eben etwas total anderes. Jeder versucht dabei seine Vorstellung von „normal“ den anderen überzustülpen und das ist überraschenderweise sehr witzig. Dabei beginnt alles ganz harmlos. Die Vereinssitzung ist schon fast am Ende, da muss nur noch kurz der Grill für das nächste Vereinsfest besprochen werden. Aber dann steht die selbstbewusste Vereinsmeisterin Melanie Pfaff auf und frägt ob man nicht einen Extragrill für die türkischen Mitglieder aufstellen könnte. Ihr Glaube verbietet es Ihnen, dass sie Essen von einem Grill nehmen auf dem Schweinefleisch gegrillt wurde. Diese eine Frage entzündet eine Diskussion, die immer weitere Blüten treibt.

Seit Jahren erleben wir, wie die Debattenkultur in Deutschland den Bach runtergeht. In dem neuen Film von Marcus H. Rossemüller „EXTRAWURST“ ist das aber ziemlich anders. Dabei ist EXTRAWURST zu 80 Prozent Komödie und zu 20 Prozent Drama und das ist eine tolle Mischung. Der Film basiert auf dem Theaterstück EXTRAWURST welches 2019 uraufgeführt wurde und schnell zu einem der erfolgreichsten und meistgespielten Stücke auf deutschen Bühnen avancierte ist. Es trifft den Nerv, weil es ein Abbild der Gegenwart ist. Die Besonderheit des Theaterstückes ist, dass sich das Publikum in die Diskussion einbringen kann. Niemand muss sich oder seine Meinung verstecken, jeder darf am Ende abstimmen, ob ein zweiter Grill für die kleine Minderheit angeschafft wird, ob also der türkische Tennisspieler Erol seine „Extrawurst“ bekommt. Die Presse schrieb: „Der Abend macht großen Spaß, weil er bei aller Überzeichnung vor allem eins ist: Erschreckend wahr.“

Hape Kerkeling + Anja Knauer + Fahri Yardim

Im Kinofilm ist das natürlich nicht möglich, aber wir fragen uns nach dem Film schon was eigentlich unsere Meinung dazu ist. Vor allem weil die Diskussion bald in alle Richtungen geht. Warum hat hier schon wieder eine Frau gefragt, die ja immer Unruhe in den Verein bringen. Wenn es einen Extragrill für die türkischen Mitglieder gibt, darf der dann größer sein als der Grill für die deutschen Mitglieder? Müssen wir jetzt alle Veganer werden, wenn wir diese Frage nicht klären können? Man merkt schnell, dass die EXTRAWURST hier nur ein Platzhalter ist für so viele Meinungen welche in diesem Film aufeinander treffen. Wie in jeder Komödie eskaliert das alles immer weiter. Einerseits lacht man dabei lauthals los und andererseits bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

Anja Knauer – Christoph Maria Herbst

Damit der Film so gut funktioniert, braucht es aber nicht nur einen hervorragenden Regisseur wie Marcus H. Rosemüller („Wer früher stirbt ist länger tot“, „Beckenrand Sheriff“, „Pumuckl und das große Missverständnis“) sondern auch sehr feinfühlige Schauspieler. Die gibt es in EXTRAWURST viele. Allen voran Hape Kerkeling („Club Las Piranhas“, „Ich bin dann mal weg“, „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“) der es wieder einmal schafft uns auf äußerst witzige Art an der Nase herumzuführen. Fahri Yardim („Keinohrhasen“, „Jerks“) spielt Erol Oturan – übrigens der einzige türkische Spieler des Tennisvereins – mit einer so entwaffnenden Herzlichkeit, dass man ihm am liebsten in allen Punkten recht geben möchte.

Neben den vielen männlichen Schauspielern gibt es noch etliche starke Frauen in EXTRAWURST. Anja Knauer („Tsunami“, „Résiste – Aufstand der Praktikanten“) bringt nicht nur mit Ihrer ersten Frage den Stein ins Rollen, sondern mischt auch den ganzen Männerverein so richtig wohltuend auf. Gaby Dohm („Das Schlangenei“, „Das Traumschiff“) als Grand Madame des deutschen Film/TV ist auch in EXTRAWURST über allen Zweifeln erhaben und versucht standhaft Ihre Contenance zu wahren. Aber das fällt sogar ihr schwer.

Gaby Dohm

Abschließend ist zu sagen, dass EXTRAWURST absolut sehenswert ist, da er unsere Sicht auf die deutsche Gesellschaft ändert. Wir sehen danach die Welt anders und haben vielleicht mehr Lust auf Diskussionen. Es hilft, wenn man die eigene Meinung mal in Frage stellt und sich die Argumente der anderen zu Gemüte führt. So kommt man am Ende zu einer vielschichtigen Meinung, welche uns allen hilft und unser Leben reicher macht. In diese Richtung geht auch das Ende des Films, aber ganz sicher anders als man es sich vorstellen kann. Viel Spaß dabei.