Archiv der Kategorie: Actionfilm

Digger – Großartiger Weltschmerz

Titel: Digger

Regie: Alejandro G. Iñárritu

Besetzung: Tom Cruise, Riz Ahmed, John Goodman, Sandra Hüller, Michael Stuhlbarg, Jesse Plemons.

Kinostart: 01.10.2026

Trailer: DIGGER – Finaler Trailer Deutsch German (2026)

LONDON, ENGLAND – SEPTEMBER 22: Tom Cruise attends the „Digger“ World Premiere & Royal Film Performance™on September 22, 2026 in London, England. (Photo by Jeff Spicer/Getty Images for Warner Bros.)

ACHTUNG !!! Dieser Film wird Ihre Weltanschauung ändern. Oder um genau zu sein: Er wird Ihre Art, wie sie die Ereignisse auf der Welt betrachten, ändern. DIGGER treibt es nämlich auf die Spitze. Unseren Konsum, die Gier nach Öl und Geld, den amerikanischen Alptraum und nicht zuletzt den Wahnsinn des Kapitalismus an sich. Dabei beginnt er schon mit Vollgas und man ahnt sehr schnell, dass es noch viel viel schneller werden wird.

Der Regisseur Alejandro G. Iñárritu hat uns ja schon mit „Birdman“ beglückt und nach einer halben Stunde stellen wir fest, dass wir schon wieder im Theater gelandet sind. Dieser Rahmen ist mehr als passend. Im Theater wird die Welt zugespitzt, übertrieben und auf die eigentliche Essenz kondensiert. Das genau ist DIGGER!!! Ein Theater mit der ganzen Welt. Der Regisseur G. Iñárritu hat auch wieder das Drehbuch selbst geschrieben. Auch an der Produktion war er beteiligt. Somit hatte er alle Fäden in der Hand und hat sie auf faszinierende Weise zu einem Handlungsstrang verwoben, welcher in dem Verständnis von Theaterkunst seinesgleichen sucht.

Jeder der bisher Tom Cruise – oft mit Recht – kritisiert hat muss aber nach DIGGER zu Kreuze kriechen. So authentisch, facettenreich, grenzenlos und absurd ist sein Spiel, so dass man ihn schon mal auf die Oscar-Liste setzen kann. Es ist spannend wie ein gutaussehender Mann wie Tom Cruise immer mit einer Maske, welche ihn hässlich macht, zu neuen Höhen emporsteigt. Jede Eitelkeit ist aus ihm gewichen und er agiert wie wenn es um sein Leben ginge. Aber ehrlich gesagt, darum geht es auch.

Die weiteren Darsteller stehen ihm in nichts nach. Jeder von Ihnen schießt aus vollen Rohren oder arbeitet sich aus der dritten Reihe systematisch bis in den Spot vor und hält einen Theatermonolog, der einem den Atem verschlägt. Den das ist Theater auch: Hoffnung, Freude und Verarbeitung von Traumata. Den Film DIGGER sollte man somit wie einen Theaterbesuch planen. Mit besonderem Dresscode und einer gut selektierten Begleitung sollte man in den Kinosaal flanieren und Platz nehmen zum Weltuntergang.

Wenn man dann den Kinosaal verlässt ist die Welt eine andere und man muss mit einem langen Gespräch das Gesehene verarbeiten, sortieren und Schlüsse für sich selbst ziehen. Dabei gibt es aber eine Trost für uns: Es ist noch Zeit um Dinge zu ändern, wenn auch wenig. In DIGGER scheint das nicht so!!!

Hope – Der Tragödie erster Teil

Titel: Hope

Regie: Na Hong-Jin

Besetzung: Hwang Jung-min, Hoyeon, Zo In-sung, Alicia Vikander, Michael Fassbender

Kinostart: 08.10.2026

Trailer: HOPE | Offizieller Trailer (DEUTSCH) | Ab 8. Oktober im Kino

In dem abgelegenen südkoreanischen Dorf Hope Harbor werden Polizeipostenleiter Bumseok (Hwang Jung-min) und die Polizistin Sung-ae (Hoyeon) gerufen, um eine mysteriöse Kreatur aufzuspüren, die im Dorf Chaos angerichtet hat. Im nahe gelegenen Wald nimmt ein Jägertrupp um Sung-ki (Zo In-sung) die Verfolgung der Bestie auf – nur um selbst zur Beute zu werden. Doch der Schein trügt. Aus Unwissenheit erwächst eine Katastrophe, die durch menschliche Konflikte zu einer Tragödie kosmischen Ausmaßes eskaliert.

Das ist mal das Setting des Films und zeigt wie man als Zuschauer mit voller Kraft in die Handlung gezogen wird. Schon von Anfang an spürt man die Bedrohung, welche im Raum steht und entdeckt gemeinsam mit den koreanischen Protagonisten die riesige Bedrohung bis sie eine ganz neue Dimension erreicht. Dabei wird die Gefahr durchgehend von westlichen SchauspielerInnen dargestellt und führt zu einem spannenden Kontrast. Noch dazu, da man die DarstellerInnen des Bösen nie vollumfänglich sieht, da sie über CapMotion in die Aliens projiziert werden.

Es kommen aber noch weitere Gegensätze zur Geltung. Neben den Spezialeffekten für die Aliens werden bei den Sets und bei den Stunts so wenig wie möglich künstliche Effekte benutzt. Viele Settings sind zu 100 Prozent real gebaut. Der radikale Einsatz der SchauspielerInnen wird noch dadurch verstärkt, dass sie etliche Stunts selbst machen. Zo In-sung als Sung-ki ist hier am stärksten vertreten und hat nur die Stunts nicht selbst gemacht, welche man nicht überleben kann. Die Trennung zwischen den zwei Kategorien kann man als Zuschauer leicht erkennen, da auch hier mit Extremen gearbeitet wird.

Neben diesen ganzen Erklärungen muss man aber eine Sache unbedingt wissen: Hope ist als erster Teil einer Trilogie geplant, was aber nirgends angekündigt ist. Wenn man das nicht weiß, so wirkt der Film im letzten Drittel sehr verfahren und durcheinander. Es werden Erzählstränge geöffnet die abrupt abbrechen und das Ende ist mehr als offen.

Über seine Vision sagt der Regisseur: „Letztlich will der Film vermitteln, dass alle Tragödien der Welt aus Missverständnissen entstehen. Hope erzählt diese Geschichte in rasantem Tempo und auf höchst unterhaltsame Weise.“ Na Hong-jin verspricht einen unvergleichlichen filmischen Nervenkitzel, der das Publikum an die Leinwand fesselt und noch lange nach dem Abspann nachwirkt. Das können wir bestätigen, wenn man bedenkt, dass es nach diesem Film voraussichtlich noch zwei weitere geben wird um die Geschichte zu Ende zu erzählen.

Spiderman – Superhelden privat

Titel: Spider-Man – Brand New Day

Regie: Destin Daniel Cretton

Besetzung: Tom Holland, Zendaya, Jacob Batalon, Sadie Sink, Jon Bernthal, Tramell Tillman, Michael Mando und Mark Ruffalo

Kinostart: 29.07.2026

In „Spider-Man – Brand New Day“ ist der private Hintergrund unserer Superhelden das zentrale Thema. Das klingt zuerst langweilig, bringt aber eher die notwendige Tiefe in einen Marvel-Film, die ansonsten oft fehlt. So sind wir bei Spider-Man, Black Widow, Hulk und dem Punisher zu Hause oder an ihrem Arbeitsplatz. Das macht Spaß, wenn man mal den Tassenschrank beim Punisher aufmachen kann und sieht welche Bilder da drin kleben. Das macht sie menschlich, greifbar und witzig.

Es geht aber auch darum wie weit ist ein Superheld wirklich ein Held oder wie nah kann er auch am Monster sein. Diese Frage stellt sich HULK täglich und auch bei den anderen Superhelden und Superheldinnen gibt es schon Grenzüberschreitungen. Das macht den Kampf mit den vermeintlich Bösen nicht leichter. Zumal auch diese gute Seiten haben. Mit einem Satz: Es ist kompliziert.

Was „Spider-Man – Brand New Day“ aber wieder so richtig auflockert sind die oft mit Ironie durchzogenen Actionszenen. Diese sind inzwischen so ausgereift, dass man sich diesen Film definitiv in Motion Seats (Bewegten Kinosesseln) gönnen sollte. Denn auch die langsamen Szenen werden mit spannenden kleinen Bewegungen unterstützt.

Leider ist aber auch dieser Spider-Man sehr vorhersehbar und man erkennt schon in der ersten Sekunde, welcher Gutmensch später zum Bösen wird und andersrum. Story-Twister zeichnen sich schon weit vorher ab und so werden die 145 Minuten dann doch lang. Am Ende hat man zwar eine gute persönliche Zeit erlebt, aber für ein bewegendes Kinoerlebnis braucht es dann schon mehr. Spiderman ist eben dann doch nur Mainstream, aber dennoch gut.

DIE ODYSSEE – Eine neue Perspektive

Regie: Christopher Nolan

Besetzung: Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Lupita Nyong’o, Samantha Morton, John Leguizamo, Zendaya

Kinostart: 16.07.2026

Trailer: https://youtu.be/v8yWPRdNJNs?si=eS7LLyZiezCzwIhh

THE ODYSSEY, written, produced, and directed by Christopher Nolan.

Wer den Plan hat „Die Odyssee“ im Kino anzusehen, der sollte sich dafür genauso gut vorbereiten wie der Regisseur Christopher Nolan und sein Hauptdarsteller Matt Damon. Nolan hat den Stoff aufgesaugt, ihn bearbeitet, in die heutige Zeit übertragen und ihm zu guter Letzt einen neuen wichtigen Fokus gegeben. Wer dies nachvollziehen will, der sollte sich Homers Odyssee am besten vorab zu Gemüte führen. Matt Damon hatte auch zuerst Homers Odyssee gelesen und dann erst das Drehbuch. So kann man den Film wohl am besten verstehen. Denn von leichter Unterhaltung kann man bei diesem fast dreistündigem Epos wohl kaum sprechen. Überdies hat sich Matt Damon vor den Dreharbeiten in Actionhelden-Form gebracht, damit er die Strapazen der Drehs übersteht. Laut seiner Aussage gab es keinen einzigen einfachen Tag bei diesem Film und jeder einzelne Tag wäre bei jedem anderen Film der härteste Tag gewesen.

THE ODYSSEY, written, produced, and directed by Christopher Nolan.

Aber das ist erst die Basis für dieses Epos. Durch die Länge des Films erlebt man die lange Zeit der Odyssee am eigenen Leib. Dabei wird man aber so in das Geschehen gezogen, dass die 173 Minuten nie lang wirken. In den ruhigeren Momenten des Films hängt man den eigenen Gedanken nach, den Nolan gelingt es die Odyssee in die heutige Zeit zu übertragen. Man erkennt klar die Geschichten, die man schon so oft gehört und gesehen hat. Diese sind aber auf einem sehr realistischen Level. Der Zyklop zum Beispiel ist abgrundtief hässlich. Die Bedrohlichkeit ist spürbar und zeigt wie groß die Gefahren für Odysseus und seine Gefährten waren.

Matt Damon (center) is Odysseus in THE ODYSSEY, written, produced, and directed by Christopher Nolan.

Neben den Gefahren erlebt man auch die Entwicklung des „Helden“ Odysseus, der erkennt, dass es in der ganzen Geschichte nur wenig Heldentum gibt. Zentral im Film sind 2 Szenen. Zuerst der Teil der Sirenen. Seine Gefährten verstopfen sich die Ohren mit Wachs, aber Odysseus lässt sich an den Mast binden und erträgt die verlockenden und toxischen Gesänge. Sie bringen ihn zu einer Erkenntnis, die auch die Sicht des Zuschauers auf die Odyssee verändert. Die zweite Szene ist die Fahrt in die Unterwelt, den so genannten Hades. Odysseus erfährt hier viele Prophezeiungen und Wahrheiten. Er wäre aber nicht der listenreiche Krieger, wenn er nicht seinen ganz eigenen Umgang mit diesen plant.

Matt Damon is Odysseus in THE ODYSSEY, written, produced, and directed by Christopher Nolan.

Es muss an dieser Stelle aber auch noch auf die vielen weiteren Charaktere der Odyssee und den fantastischen Schauspielenden verwiesen werden. Jeder nähert sich seiner Rolle auf sehr persönliche Art und Weise. So sind es echte Menschen, welche die Rolle nicht spielen, sondern verkörpern. Man kann gar nicht beurteilen, ob sie sich der Rolle von Innen oder von Außen nähern. Sie sind diese Figur zu 100% und sie sind auch sich selbst zu 100%. Ein Widerspruch, der aber in fast allen Nolan Filmen so stattfindet.

L to R: Mia Goth is Melantho and Anne Hathaway is Penelope in THE ODYSSEY, written, produced, and directed by Christopher Nolan.
Robert Pattinson is Antinous in THE ODYSSEY, written, produced, and directed by Christopher Nolan.
John Leguizamo is Eumaeus in THE ODYSSEY, written, produced, and directed by Christopher Nolan.
Tom Holland is Telemachus in THE ODYSSEY, written, produced, and directed by Christopher Nolan.

Abschließend sei festgehalten, dass dieser Film eine neue Perspektive auf die Odyssee bietet. Sie ist faszinierend, verstörend und vor allem eine Perspektive aus der heutigen Zeit. Matt Damon ist sicher im eigentlichen Sinn nicht die Idealbesetzung des Odysseus, aber in diesem Nolan Film der Odyssee ist er passend und verkörpert die Idee des Regisseurs. Diese Idee wird auch von dem sphärischen und faszinierenden Soundtrack von Ludwig Göransson getragen, die man nach dem Film noch lange im Unterbewusstsein mit sich trägt. Das ist das eigentliche Verdienst dieses Films: Man nimmt viel Neues mit von einer Geschichte, die man eigentlich schon in und auswendig kennt. Wann kann man das schon mal von einem Kinobesuch sagen.

Director Christopher Nolan (center frame, arm raised) on set of his film THE ODYSSEY, written, produced, and directed by Christopher Nolan.

Supergirl – In Supermans face

Titel: Supergirl

Regie: Craig Gillespie

Besetzung: Milly Alcock (Stunts: Mickey Facchinello), Eve Ridley, Jason Momoa, Matthias Schönarts

Kinostart: 25.06.2026

Trailer: https://youtu.be/toDKuGAcVaU?si=lHBunazWugDUvFUh

Mit Supergirl kann man mal sehen, was möglich gewesen wäre, wenn Superman schon früher so dreckig geworden wäre. Ein Meer voller Eindrücke und eine ehrliche Tiefe der Charaktere. Leider taucht aber Superman auch im Supergirl-Film auf und macht klar, dass das Superman-Universum nach vor ein schönes Abziehbild bleiben wird. Das ist ja auch kein Problem, denn das Supergirl-Universum ist viel viel spannender. Somit kann sich Superman schon mal von der Bühne verabschieden und das Rampenlicht für weitere Auftritte von Supergirl frei machen.

Es ist so entspannend einen Film zu sehen, der sich nicht um Männer dreht. Die beiden weiblichen Hauptfiguren, Supergirl – Kara Zor-El (Milly Alcock ) und Ruthye (Eve Ridley), beherrschen diesen Film absolut. Von Anfang an macht es Freude ihnen bei ihrem Leben und ihren Entwicklungen zuzusehen. Dabei sind sie nie platt und stehen für sich und die anderen ein. Die Männer in diesem Film sind dabei nur oberflächliche Staffage, die versuchen mitzuhalten. Das soll aber nicht abwertend klingen, denn Matthias Schönarts spielt den Super-Bösewicht Krem mit so einer hingebungsvollen Freude am Bösen, dass man fast selbst Lust bekommt auf eine Schurken-Karriere.

Die Szenen in Supergirl können dabei mit den bekannten dreckigen Science Fiction Filmen mithalten. Die unterschiedlichen Rassen in den übelsten Weltraum-Spelunken übertreffen sogar noch die Mos-Eisley-Cantina aus STAR WARS. Die Raumschiffe wären auch für die „Guardians of the Galaxy“ eine Freude und die Atmosphäre entspricht oft dem Cyberpunk 2077 Game. Eine herrliche Welt für wahre Science Fiction Fans.

Bei den Schauspielern im ganzen Film weiß man auch gar nicht wo man anfangen soll mit dem Lob. Sie verkörpern so sehr Ihre Figuren, dass man sie sich wohl nur noch schwer in anderen Rollen vorstellen kann, obwohl man sie bereits in vielen anderen Rollen gesehen hat. Milly Alcock als Supergirl gibt die versoffene Superheldin mit so einer Energie, dass man nur zu gerne Abende mit ihr durchfeiern würde. Das würde man mit Jason Mamoa als der Kopfgeldjäger Lobo wohl besser nicht machen, weil man das mit 100% nicht überleben würde. Aber seine Wucht ist aus der Ferne schon bewundernd anzusehen.

Somit ab ins Kino und auf der Überholspur feiern. Der ganze Spaß wird nur durch die lahmen kurzen Auftritte von Superman gebremst. Aber damit sieht man umso besser wie cool dieser Film ist. Nur eine Chance wurde in Supergirl vertan: Der Sound. Dieser ist fantastisch ausgewählt, bleibt aber in großen Teilen im Hintergrund. Wenn man den Sound als eigenes Stilmittel noch mehr eingearbeitet hätte, dann wäre der Kult-Status wohl noch größer gewesen. Aber man muss ja noch was zu meckern haben, oder?

Ein Film für Sounddesigner*innen

Titel: The Piano Tuner

Regie: Daniel Roher

Besetzung: Leo Woodall, Dustin Hoffman, Havana Rose Liu, Jean Reno

Kinostart: 02.07.2026

Trailer: https://youtu.be/q7lYuJzeigI?si=g27RpQhHikUdrnnf

Der Film „The Piano Tuner“ ist auf den ersten Blick eine Mischung aus unterschiedlichen Filmen. „Baby Driver“, „The Piano“, „Das Konzert“ um nur einige zu nennen. Er macht aber aus all diesen Genres die ideale Melage und erschafft einen neuen Film mit leisen und dann wieder überraschend lauten Tönen. Es empfiehlt sich besonderen Augenmerk auf das Sounddesign des Films zu legen und ab und zu mal die Augen zu schließen um hier noch tiefer einzutauchen.

Der Klavierstimmer Niki hat nämlich das absolute Gehör und ist ein Geheimtipp unter den Musik-Virtuosen in New York. Aber das war nicht immer so, denn Niki war früher selbst ein Klavier-Genie. Dann ereilte ihn aber die Krankheit Hyperakusis – einer Störung des Hörsinns, mit der selbst alltägliche Geräusche als schmerzhaft laut wahrgenommen werden. Das war das Ende seiner Musikerkarriere und der Anfang seines neuen Berufs als Klavierstimmer. Die Tragik dahinter kann man nur ahnen.

Was geschieht mit einem begnadeten Musiker, der sich durch die Musik definiert und von einem Tag auf den anderen dies nicht mehr ausführen kann. Was ist er noch? Wie definiert er sich? Was ist sein Lebensinhalt? Dies sind die Eckpfosten der Erzählung und auf dieses Spielfeld treten die weiteren Protagonisten: Sein Chef, der erfahrene Klavierstimmer Harry Horowitz (Dustin Hoffmann), seine neue Freundin, die Kompositionsstudentin Ruthie (Havana Rose Liu) und nicht zuletzt der Sicherheitsprofi Uri (Lior Raz). Uri erkennt schnell, dass sich Nikis sensible Hörfähigkeit nicht nur zum Stimmen von Instrumenten, sondern auch zum Knacken von Tresoren eignet und er macht ihm ein verlockendes Angebot.

So nimmt der Film Fahrt auf und erhöht wie bei „Baby Driver“ ständig den Takt der Geschehnisse. Besonders das großartige Ende führt dazu, dass man den Film selbst als Kunstwerk begreift. THE PIANO TUNER wurde als Film konzipiert, der die sinnliche Dimension von Kino voll
ausreizt – nicht nur visuell, sondern als zutiefst auditive Erfahrung, in der Klang für die Erzählung ebenso entscheidend ist wie das Bild. Der Sound ist somit ein integraler Bestandteil der emotionalen und psychologischen Textur der Geschichte. Ko-Autor und Regisseur Daniel Roher erklärt: »Ich habe diesen Film für den Klang entworfen. Es ist ein Film für Sounddesigner*innen. Ich möchte, dass er immersiv wirkt. Das Sounddesign soll uns in die subjektive Wahrnehmung von Niki White versetzen und hören lassen, was er hört.« Somit sei empfohlen THE PIANO TUNER mit allen Sinnen zu genießen und besonders auf die leisen Töne zu achten.

Typisch Spielberg

Titel: DISCLOSURE DAY – Der Tag der Wahrheit

Regie: Steven Spielberg

Besetzung: Josh O’Conner, Eve Hewson, Colman Domingo, Emily Blunt, Colin Firth

Kinostart: 10.06.2026

Trailer: https://youtu.be/rsv98lQQpSM?si=dS6a1BYnLcMzSrgJ

„DISCLOSURE DAY – Der Tag der Wahrheit“ ist ein typischer Steven Spielberg Film mit all seinen Vor- und Nachteilen. Spannend, leicht verdaulich und es gibt sehr viele Momente in welchen Menschen überrascht und staunend in eine Richtung starren. Dazu einige Actionszenen, welche nicht unbedingt notwendig wären und das Ende ist vorauszusehen. Somit ist die Frage eigentlich nur: Ist man in DISCLOSURE DAY gut unterhalten?

Josh O’Connor is Dr. Daniel Kellner and Eve Hewson is Jane Blankenship in DISCLOSURE DAY, directed by Steven Spielberg.

Die Science-Fiction-Elemente in „DISCLOSURE DAY – Der Tag der Wahrheit“ sind von realen Überlieferungen zu UAP-Phänomenen und geheimen Regierungsprogrammen inspiriert: etwa vom Roswell-Vorfall, von Kornkreisen, wiedergewonnenen Erinnerungen an Begegnungen mit Außerirdischen, CIA-Forschungsarbeiten zum Thema „Remote Viewing“ (übersinnliche Fernwahrnehmung), von militärischen Experimenten mit geborgener außerirdischer Technologie und vielem mehr. „Der Film spielt mit dem, was die Leute bereits wissen. Denn die Grundidee ist, dass mächtige Kräfte die Wahrheit vertuschen und die Menschen davon überzeugen wollen, dass das, was sie über die Jahre gehört haben, gar nicht stimmt“, erklärt der Drehbuchautor Koepp. „Deshalb war es Steven wichtig, nicht zu sehr von den Geschichten abzuweichen, die wir kennen. Dennoch wollten wir auch unsere eigene Fantasie einbringen. Deshalb haben wir viele originelle Ideen, die auf gängige Klischees Bezug nehmen.“

Josh O’Connor is Dr. Daniel Kellner in DISCLOSURE DAY, directed by Steven Spielberg.

Diese ganze Intension hätte man aber auch gut in weniger als 145 Minuten untergebracht und so die Geschichte sinnvoll verdichtet. Um diese lange Spielzeit zu befüllen wurden auch viele Charaktere eingeführt, welche aber weitestgehend blass bleiben. Somit zieht sich „DISCLOSURE DAY – Der Tag Der Wahrheit“ und man hofft inständig, dass die Aliens endlich erscheinen damit man nach Hause gehen kann. Somit wohl eher was für zu Hause mit Second Screening.

L to R: Colman Domingo is Hugo Wakefield, Tommy Martinez is Santiago, Emily Blunt is Margaret Fairchild, and Josh O’Connor is Dr. Daniel Kellner in DISCLOSURE DAY, directed by Steven Spielberg.

STAR WARS-Fandom: Mandalorian and Grogu

Titel: STAR WARS – The Mandalorian and Grogu

Regie: Jon Favreau

Besetzung: Pedro Pascal, Sigourney Weaver und Jeremy Allen White

Kinostart: 20.05.2026

Trailer: Unbedingt im englischen Original ansehen

Director Jon Favreau and Pedro Pascal on the set of Lucasfilm’s THE MANDALORIAN AND GROGU. Photo by Nicola Goode. © 2026 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved.

Es ist schon großartig, wie sehr Jon Favreau, Dave Filoni und Noah Kloor die STAR WARS Gene in sich tragen. Anders ist es wohl nicht erklärbar, dass hier die Geschichten im Geiste von George Lucas entstehen. Das Erbe wurde sichtbar weitergegeben und wird hoch geachtet ohne es auf ein Podest zu stellen. Die Story wirkt natürlich und ist voller Überraschungen, verliert aber nie die Identität. Dazu gibt es noch viele Features für das Fandom: Ice-Trooper, AT-AT, Huts, Putzdroiden und vor allem viele außerirdische Monster und Söldner.

The Mandalorian (Pedro Pascal) and Dragonsnake in Lucasfilm’s THE MANDALORIAN AND GROGU. Photo courtesy of Lucasfilm. © 2026 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved.

Als Bonus gibt es noch wunderbare Gastauftritte: Dave Filoni ist wieder der Pilot Trapper Wolf und der bekannte Regisseur Martin Scorsese spricht den vierarmigen Ardennianer-Händler Hugo Durant. Mittendrin sind Mando und Grogu als fantastisches Team. Die beiden könnten einfach nur im Park spazieren gehen und man würde ihnen gerne zusehen. Aber sie machen natürlich extrem aufregende Dinge. Schon der erste Kopfgeld-Auftrag ist spektakulär und bietet solch hervorragende Bilder, dass man an all die schönen STAR WARS – Momente in seinem Leben erinnert wird.

(L-R) Mandalorian (Pedro Pascal) and Grogu in Lucasfilm’s THE MANDALORIAN AND GROGU. Photo courtesy of Lucasfilm. © 2025 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved.

Das ist auch der Ursprung und die Magie des Ganzen. In der Pressekonferenz in Berlin hat uns Dave Filoni erzählt, wie er den ersten STAR WARS Film als Kind in New York im Kino erlebt hat. Schon die Aufregung vor dem Film war riesig. Als aber gleich am Anfang der riesige Sternenzerstörer eine gefühlte Ewigkeit in das Bild flog, da gingen die Reaktionen vom ersten Lachen zum zweiten Staunen und letztendlich zu lautem Beifallklatschen über. So geht es dem Zuschauer bei „Mandalorian and Grogu“ nicht nur in der Anfangsszene, sondern immer wieder. Man fühlt sich wieder wie bei seinem ersten STAR WARS Moment und weiß warum man diesen Brand so verinnerlicht hat.

BERLIN, GERMANY – MAY 04: Steven Gätjen, Pedro Pascal, Sigourney Weaver and Jon Favreau speak at the Berlin Fan Celebration Press Conference of „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“ at The Ritz-Carlton on May 04, 2026 in Berlin, Germany. (Photo by Sebastian Reuter/Getty Images for The Walt Disney Company)

Als ob das noch nicht genug ist, gibt Sigourney Weaver als knorrige Rebellen Anführerin und X-Wing-Pilotin dem Ganzen einen besonderen Zauber. Selbst Pedro Pascal – der den Mandalorian spielt – war bei den Dreharbeiten absolut starstruck. Sigourney ist eine Ikone, die einem den Arsch aufreißt und dabei aber durchaus sympathisch ist. Das ist bei ihr aber kein Widerspruch, sondern Programm. Auf der Pressekonferenz hat Pedro berichtet, dass es für ihn etwas noch Schöneres gab als in einem STAR WARS-Film mitzuspielen: Nämlich mit Sigourney Weaver zusammenspielen zu dürfen. Er ist ein totaler Fan all Ihrer Filme und nach dem Film auch ein Fan von Sigourney als Person.

Colonel Ward (Sigourney Weaver) in Lucasfilm’s THE MANDALORIAN AND GROGU. Photo courtesy of Lucasfilm. © 2026 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved.

Lasst Euch auch von diesem Film und von den Darstellern in eine andere Welt mitnehmen, die so viel damit zu tun hat, warum wir das Kino lieben. Aber unbedingt im englischen Original ansehen!!!

Mortal Kombat ist Tödlich

Titel: MORTAL KOMBAT II

Regie: Simon McQuoid

Besetzung: Karl Urban, Adeline Rudolph, Jessica McNamee, Josh Lawson, Ludi Lin, Mehcad Brooks, Tati Gabrielle, Lewis Tan, Damon Herriman mit Chin Han, Tadanobu Asano, Joe Taslim, Hiroyuki Sanada

Kinostart: 07.05.2026

Trailer:

Mortal Kombat ist eine Legende, eine lange Erzählung, eine Saga und vermutlich noch viel mehr. Wenn man nun einen Film Mortal Kombat II in die Kinos bringen will, so muss man auch gegen all diese Geschichte ankämpfen. Das ist im Vergleich zum Mortal Kombat selbst vielleicht sogar eine noch größere Herausforderung.

Zuerst muss man die ganze Riege an den Start bringen und dann mehr als hochkarätig besetzen. So liest sich die Besetzung auch wie das Who is Who des Martial Arts. Aber das ist erst der Anfang. Die Ausstattung, die Stunt(wo)men, die Geschichte und vor allem die Effekte müssen herausragend sein.

Was der Film auf alle Fälle perfekt abliefert sind die Kampfszenen. Jede einzelne ist so einzigartig anders, dass es wie ein Universum der einzelnen Stiele wirkt und Neues hervorbringt. Schon von Sekunde Null des Films sind die Kämpfe brutal gnadenlos und zeigen den Kampf in allen Facetten und Bildern. Man spürt es somit fast am eigenen Leib. Dabei ist es immer kunstvoll und ästhetisch, so dass es auch eine Faszination ausübt. Auch die Comic-Reliefs und Sprüche sind gut platziert und geben dem Film eher Charme als flache Witze.

Wie schafft man so etwas? Durch viel Erklärungen, Diskussionen und Einfallsreichtum. Der Regisseur Simon McQuoid ist hierfür bekannt. Er spricht mit seinen Schauspielern und Figuren. So ist es spannend am Set mit anzusehen, wie der Regisseur mit dem grausamen Shao Kahn fein und pointiert diskutiert. Das ist die Basis für große Kampfkunst.

Der retrosexuelle Astronaut

Titel: DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY

Regie: Phil Lord & Christopher Miller

Besetzung: Ryan Gosling, Sandra Hüller, Lionel Boyce, Ken Leung und Milana Vayntrub

Kinostart: 19.03.2026

Trailer: Der Astronaut – Project Hail Mary – Neuer Trailer (Kinostart: 19.3.2026) – YouTube

Ryan Gosling stars as Ryland Grace in PROJECT HAIL MARY, from Amazon MGM Studios.

Photo credit: Jonathan Olley

Dieser Film macht Hoffnung. Er ist eine Utopie und sticht so aus den vielen Dystopien heraus, die unsere Kinos überfluten. Das liegt wohl daran, dass sich viele Menschen lieber auf die Sorgen als auf die Hoffnungen spezialisieren, weil sie damit ja viel klüger wirken. Der Naturwissenschaftslehrer Ryland Grace (RYAN GOSLING) war auch einmal ein Utopist und hat versucht die Welt positiv zu sehen indem er neue Wege geht. Aber die harte Realität hat ihn eingeholt und so fristet der frühere Mikrobiologe nun ein Lehrer-Leben auf einer High-School in Amerika. Aber das ändert sich als Mikroben im Weltraum sich verdichten und das Sonnenlicht für die Erde verringern. Da erscheinen dem internationalem Sonderkommando seine Ideen plötzlich ziemlich plausibel.

Ryan Gosling stars as Ryland Grace in PROJECT HAIL MARY, from Amazon MGM Studios.

Photo credit: Jonathan Olley

„Der Astronaut“ kann als ein Traum für missverstandene Wissenschaftler interpretiert werden. Denn Ryland der Mikrobiologe bekommt nun die Aufmerksamkeit für seine Ideen, die er sich immer gewünscht hat. So ist er von einem Tag auf den anderen der Mensch auf der ganzen Erde, der die drohende Eiszeit abwenden könnte. Soweit die Fakten, aber „Projekt Hale Mary“ (englisch für Himmelfahrtskommando) ist weit mehr als das. Es ist eine wunderbare Utopie in welcher die menschlichen Werte wie Empathie, Neugier und Treue auf andere Daseinsformen im Weltall überspringen. Ryland stellt auf seiner Mission zur Rettung der Erde nämlich Kontakt zu einer anderen Lebensform her, die das gleiche Schicksal teilt.

(L to R) Milana Vayntrub stars as Olesya Ilyukhina and Ken Leung as Yao in PROJECT HAIL MARY, from Amazon MGM Studios. Photo credit: Courtesy of Amazon MGM Studios © 2026 Amazon Content Services LLC. All Rights Reserved.

Die beiden kommunizieren zuerst kryptisch, dann immer besser und arbeiten am Ende zusammen. Bei der finalen Lösungsaktion gehen sie dann durch Dick und Dünn und beweisen dem Universum was gemeinsam möglich ist. Das klingt kitschig, aber durch den wissenschaftlichen Rahmen wird es episch und real. Es gibt eben auch Utopien. Es gibt Hoffnung im Weltraum und diese ist genauso wahrscheinlich wie die Dystopien. Somit bleibt am Ende das Zitat: „Man wird doch wohl noch träumen dürfen“.

Ryan Gosling stars as Ryland Grace and Sandra Hüller as Eva Stratt in PROJECT HAIL MARY, from Amazon MGM Studios. Photo credit: Jonathan Olley © 2026 Amazon Content Services LLC. All Rights Reserved.

Wenn wir allein die Menschheitsgeschichte betrachten, so sind auch Träume real geworden. Nicht zuletzt der Ausspruch „I have a dream“ von Martin Luther King. Also ab ins Kino und träumen. Denn dafür wurde dieses Medium gemacht und dann die Hoffnung und Utopien in unsere Welt bringen. Wer sich nun fragt, warum der Titel dieser Besprechung „Der retrosexuelle Astronaut“ heißt, der kann sich das letzte Bild von Ryan Gosling und Sandra Hüller ansehen. Ein kleiner Tipp: Das T-Shirt ist nur eines von vielen Nerd-Shirts, welche Ryland Grace trägt.