Digger – Großartiger Weltschmerz

Titel: Digger

Regie: Alejandro G. Iñárritu

Besetzung: Tom Cruise, Riz Ahmed, John Goodman, Sandra Hüller, Michael Stuhlbarg, Jesse Plemons.

Kinostart: 01.10.2026

Trailer: DIGGER – Finaler Trailer Deutsch German (2026)

LONDON, ENGLAND – SEPTEMBER 22: Tom Cruise attends the „Digger“ World Premiere & Royal Film Performance™on September 22, 2026 in London, England. (Photo by Jeff Spicer/Getty Images for Warner Bros.)

ACHTUNG !!! Dieser Film wird Ihre Weltanschauung ändern. Oder um genau zu sein: Er wird Ihre Art, wie sie die Ereignisse auf der Welt betrachten, ändern. DIGGER treibt es nämlich auf die Spitze. Unseren Konsum, die Gier nach Öl und Geld, den amerikanischen Alptraum und nicht zuletzt den Wahnsinn des Kapitalismus an sich. Dabei beginnt er schon mit Vollgas und man ahnt sehr schnell, dass es noch viel viel schneller werden wird.

Der Regisseur Alejandro G. Iñárritu hat uns ja schon mit „Birdman“ beglückt und nach einer halben Stunde stellen wir fest, dass wir schon wieder im Theater gelandet sind. Dieser Rahmen ist mehr als passend. Im Theater wird die Welt zugespitzt, übertrieben und auf die eigentliche Essenz kondensiert. Das genau ist DIGGER!!! Ein Theater mit der ganzen Welt. Der Regisseur G. Iñárritu hat auch wieder das Drehbuch selbst geschrieben. Auch an der Produktion war er beteiligt. Somit hatte er alle Fäden in der Hand und hat sie auf faszinierende Weise zu einem Handlungsstrang verwoben, welcher in dem Verständnis von Theaterkunst seinesgleichen sucht.

Jeder der bisher Tom Cruise – oft mit Recht – kritisiert hat muss aber nach DIGGER zu Kreuze kriechen. So authentisch, facettenreich, grenzenlos und absurd ist sein Spiel, so dass man ihn schon mal auf die Oscar-Liste setzen kann. Es ist spannend wie ein gutaussehender Mann wie Tom Cruise immer mit einer Maske, welche ihn hässlich macht, zu neuen Höhen emporsteigt. Jede Eitelkeit ist aus ihm gewichen und er agiert wie wenn es um sein Leben ginge. Aber ehrlich gesagt, darum geht es auch.

Die weiteren Darsteller stehen ihm in nichts nach. Jeder von Ihnen schießt aus vollen Rohren oder arbeitet sich aus der dritten Reihe systematisch bis in den Spot vor und hält einen Theatermonolog, der einem den Atem verschlägt. Den das ist Theater auch: Hoffnung, Freude und Verarbeitung von Traumata. Den Film DIGGER sollte man somit wie einen Theaterbesuch planen. Mit besonderem Dresscode und einer gut selektierten Begleitung sollte man in den Kinosaal flanieren und Platz nehmen zum Weltuntergang.

Wenn man dann den Kinosaal verlässt ist die Welt eine andere und man muss mit einem langen Gespräch das Gesehene verarbeiten, sortieren und Schlüsse für sich selbst ziehen. Dabei gibt es aber eine Trost für uns: Es ist noch Zeit um Dinge zu ändern, wenn auch wenig. In DIGGER scheint das nicht so!!!

Hope – Der Tragödie erster Teil

Titel: Hope

Regie: Na Hong-Jin

Besetzung: Hwang Jung-min, Hoyeon, Zo In-sung, Alicia Vikander, Michael Fassbender

Kinostart: 08.10.2026

Trailer: HOPE | Offizieller Trailer (DEUTSCH) | Ab 8. Oktober im Kino

In dem abgelegenen südkoreanischen Dorf Hope Harbor werden Polizeipostenleiter Bumseok (Hwang Jung-min) und die Polizistin Sung-ae (Hoyeon) gerufen, um eine mysteriöse Kreatur aufzuspüren, die im Dorf Chaos angerichtet hat. Im nahe gelegenen Wald nimmt ein Jägertrupp um Sung-ki (Zo In-sung) die Verfolgung der Bestie auf – nur um selbst zur Beute zu werden. Doch der Schein trügt. Aus Unwissenheit erwächst eine Katastrophe, die durch menschliche Konflikte zu einer Tragödie kosmischen Ausmaßes eskaliert.

Das ist mal das Setting des Films und zeigt wie man als Zuschauer mit voller Kraft in die Handlung gezogen wird. Schon von Anfang an spürt man die Bedrohung, welche im Raum steht und entdeckt gemeinsam mit den koreanischen Protagonisten die riesige Bedrohung bis sie eine ganz neue Dimension erreicht. Dabei wird die Gefahr durchgehend von westlichen SchauspielerInnen dargestellt und führt zu einem spannenden Kontrast. Noch dazu, da man die DarstellerInnen des Bösen nie vollumfänglich sieht, da sie über CapMotion in die Aliens projiziert werden.

Es kommen aber noch weitere Gegensätze zur Geltung. Neben den Spezialeffekten für die Aliens werden bei den Sets und bei den Stunts so wenig wie möglich künstliche Effekte benutzt. Viele Settings sind zu 100 Prozent real gebaut. Der radikale Einsatz der SchauspielerInnen wird noch dadurch verstärkt, dass sie etliche Stunts selbst machen. Zo In-sung als Sung-ki ist hier am stärksten vertreten und hat nur die Stunts nicht selbst gemacht, welche man nicht überleben kann. Die Trennung zwischen den zwei Kategorien kann man als Zuschauer leicht erkennen, da auch hier mit Extremen gearbeitet wird.

Neben diesen ganzen Erklärungen muss man aber eine Sache unbedingt wissen: Hope ist als erster Teil einer Trilogie geplant, was aber nirgends angekündigt ist. Wenn man das nicht weiß, so wirkt der Film im letzten Drittel sehr verfahren und durcheinander. Es werden Erzählstränge geöffnet die abrupt abbrechen und das Ende ist mehr als offen.

Über seine Vision sagt der Regisseur: „Letztlich will der Film vermitteln, dass alle Tragödien der Welt aus Missverständnissen entstehen. Hope erzählt diese Geschichte in rasantem Tempo und auf höchst unterhaltsame Weise.“ Na Hong-jin verspricht einen unvergleichlichen filmischen Nervenkitzel, der das Publikum an die Leinwand fesselt und noch lange nach dem Abspann nachwirkt. Das können wir bestätigen, wenn man bedenkt, dass es nach diesem Film voraussichtlich noch zwei weitere geben wird um die Geschichte zu Ende zu erzählen.

Queere Satire auch für Heteros

Titel: JIM QUEEN

Regie: Marco Nguyen & Nicolas Athané

Autoren: Nicolas Athané, Simon Balteaux, Brice Chevillard

Kinostart: 24.09.2026

Trailer: JIM QUEEN Trailer German Deutsch (2026)

JIM QUEEN spricht ein breites Publikum an, einschließlich Heteros. Dies gelingt vor allem durch die Figur des Lucien, eines Neulings, der gemeinsam mit den Zuschauern die vielen Facetten der schwulen Welt entdeckt. In Lucien können sich sowohl schwule Männer als auch Heteros wiederfinden. Er ist fasziniert von der glitzernden schwulen Szene und findet langsam heraus wie es hier so funktioniert.

Dabei wird die schwule Community von einem seltsamen und gefährlichen Virus bedroht: Der Heterose. Dieser Virus führt dazu, dass man langsam zum Hetero wird. Hier kommt auch schon die Satire dazu, denn die ersten Anzeichen sind, dass man sich schlecht kleidet und für Fußball interessiert. Wenn der Held des Films Jim Parfait dann auf einmal Abseits versteht wirkt es wie eine schwule Katastrophe.

Animation ist dabei ein Medium, in dem alles möglich ist. Bei JIM QUEEN dient es dazu, den Zuschauern das schwule Leben näherzubringen – den Wunsch nach Toleranz, nach Zusammenleben, nach Akzeptanz und nach dem Mut, man selbst zu sein. Es soll jüngeren Generationen auch vermitteln, dass es heute möglich ist, schwul und glücklich zu sein, auch wenn wir uns nach wie vor mit einer sehr maskulinen und patriarchalischen Welt auseinandersetzen müssen.

Der Film ist universell und kommt zum richtigen Zeitpunkt. Schwule oder queere Figuren sollen heute möglichst unsichtbar gemacht werden: Kürzungen bei den Fördermitteln, Ausgrenzung auf den Plattformen … Zugegeben, die Kontroverse ist eine reale Gefahr, aber JIM QUEEN kommt in guter Absicht, und vertritt Werte wie Akzeptanz und gegenseitiges Verständnis. Dabei setzt er auf die entwaffnende Wirkung von Humor. Ohnehin ist Humor die beste Waffe, die man der aktuellen Weltlage entgegensetzen kann.

Zauberhaft junge Schwestern?!?

Titel: Zauberhafte Schwestern 2 – Practical Magic 2

Regie: Susanne Bier

Besetzung: Sandra Bullock, Nicole Kidman, Dianne Wiest, Stockard Channing, Lee Pace

Kinostart: 10.09.2026

Trailer: https://youtu.be/_X1u6NZdzvw?si=q_DsEM6IKgcw6ZHY

Die wichtigste Frage zuerst: Warum sehen Sandra Bullock und Nicole Kidman in „Zauberhafte Schwestern 2“ als Hexen so jung aus obwohl der erste Teil vor 30 Jahren gedreht wurde?

Nun das hat viele Gründe:

Hollywood-Maske: Professionelles Make-up betont die Züge und kaschiert Schatten.
Spezielle Beleuchtung: Weiches Licht im Studio nimmt dem Gesicht harte Konturen.
Digitale Effekte: Szenen werden oft am Computer nachbearbeitet, um die Haut glatter wirken zu lassen.
Lebensstil: Beide achten privat sehr auf Sport, Ernährung und Hautpflege.
Die Rolle: Als Hexen im Film haben sie ohnehin einen Hauch von Magie.

Diese Gründe kann nun jeder für sich selbst werten, aber es ist schon erstaunlich wie wenig älter die beiden wirken. Bei Nicole Kidman wirkt das natürlich. Sandra Bullock hingegen wirkt teilweise wie eingefroren. Wenig Mimik und oft das gleiche ebenmäßige Gesicht. Das ist aber nicht das einzige gut gestylte in diesem zweiten Teil.

Der ganze Film ist vollständig aus- oder besser gesagt überproduziert. Die Settings sind perfekt gemacht und durch die Bank sehr schön anzusehen. Da gibt es wenig das natürlich erscheint. So sind leider auch die Witze und Dialoge. Alles wirkt gestelzt und designed. Natürlich ist die Geschichte vorhersehbar und von dem Ende wollen wir gar nicht sprechen.

„Zauberhafte Schwestern 2“ ist was er ist. Ein zweiter Teil, der passend als Mainstream-Film zwischen den Sommer und Halloween gelegt ist. Produzierte Unterhaltung und nicht mehr oder weniger. Das gilt neben Sandra Bullock und Nicole Kidman auch für den restlichen Cast.

Sehr positiv ist, dass der Film fast nur mit weiblichen Rollen besetzt ist. Das ist erfrischend und hier sind die Männer die Ausstattung und die Abziehbilder. Das ist gut und wichtig. Doch für einen weiteren weiblichen Oskar wird das wohl kaum reichen.

LONDON, ENGLAND – AUGUST 26: (L-R) Dianne Wiest, Maisie Williams, Joey King, Susanne Bier, Sandra Bullock, Nicole Kidman, Stockard Channing, Solly Mcleod and Xolo Maridueña attend the Practical Magic 2 European Premiere at the Odeon Luxe Leicester Square on August 26, 2026 in London, England. (Photo by Eamonn M. McCormack/Getty Images for Warner Bros.)