Regie: Christopher Nolan
Besetzung: Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Lupita Nyong’o, Samantha Morton, John Leguizamo, Zendaya
Kinostart: 16.07.2026
Trailer: https://youtu.be/v8yWPRdNJNs?si=eS7LLyZiezCzwIhh

Wer den Plan hat „Die Odyssee“ im Kino anzusehen, der sollte sich dafür genauso gut vorbereiten wie der Regisseur Christopher Nolan und sein Hauptdarsteller Matt Damon. Nolan hat den Stoff aufgesaugt, ihn bearbeitet, in die heutige Zeit übertragen und ihm zu guter Letzt einen neuen wichtigen Fokus gegeben. Wer dies nachvollziehen will, der sollte sich Homers Odyssee am besten vorab zu Gemüte führen. Matt Damon hatte auch zuerst Homers Odyssee gelesen und dann erst das Drehbuch. So kann man den Film wohl am besten verstehen. Denn von leichter Unterhaltung kann man bei diesem fast dreistündigem Epos wohl kaum sprechen. Überdies hat sich Matt Damon vor den Dreharbeiten in Actionhelden-Form gebracht, damit er die Strapazen der Drehs übersteht. Laut seiner Aussage gab es keinen einzigen einfachen Tag bei diesem Film und jeder einzelne Tag wäre bei jedem anderen Film der härteste Tag gewesen.

Aber das ist erst die Basis für dieses Epos. Durch die Länge des Films erlebt man die lange Zeit der Odyssee am eigenen Leib. Dabei wird man aber so in das Geschehen gezogen, dass die 173 Minuten nie lang wirken. In den ruhigeren Momenten des Films hängt man den eigenen Gedanken nach, den Nolan gelingt es die Odyssee in die heutige Zeit zu übertragen. Man erkennt klar die Geschichten, die man schon so oft gehört und gesehen hat. Diese sind aber auf einem sehr realistischen Level. Der Zyklop zum Beispiel ist abgrundtief hässlich. Die Bedrohlichkeit ist spürbar und zeigt wie groß die Gefahren für Odysseus und seine Gefährten waren.

Neben den Gefahren erlebt man auch die Entwicklung des „Helden“ Odysseus, der erkennt, dass es in der ganzen Geschichte nur wenig Heldentum gibt. Zentral im Film sind 2 Szenen. Zuerst der Teil der Sirenen. Seine Gefährten verstopfen sich die Ohren mit Wachs, aber Odysseus lässt sich an den Mast binden und erträgt die verlockenden und toxischen Gesänge. Sie bringen ihn zu einer Erkenntnis, die auch die Sicht des Zuschauers auf die Odyssee verändert. Die zweite Szene ist die Fahrt in die Unterwelt, den so genannten Hades. Odysseus erfährt hier viele Prophezeiungen und Wahrheiten. Er wäre aber nicht der listenreiche Krieger, wenn er nicht seinen ganz eigenen Umgang mit diesen plant.

Es muss an dieser Stelle aber auch noch auf die vielen weiteren Charaktere der Odyssee und den fantastischen Schauspielenden verwiesen werden. Jeder nähert sich seiner Rolle auf sehr persönliche Art und Weise. So sind es echte Menschen, welche die Rolle nicht spielen, sondern verkörpern. Man kann gar nicht beurteilen, ob sie sich der Rolle von Innen oder von Außen nähern. Sie sind diese Figur zu 100% und sie sind auch sich selbst zu 100%. Ein Widerspruch, der aber in fast allen Nolan Filmen so stattfindet.




Abschließend sei festgehalten, dass dieser Film eine neue Perspektive auf die Odyssee bietet. Sie ist faszinierend, verstörend und vor allem eine Perspektive aus der heutigen Zeit. Matt Damon ist sicher im eigentlichen Sinn nicht die Idealbesetzung des Odysseus, aber in diesem Nolan Film der Odyssee ist er passend und verkörpert die Idee des Regisseurs. Diese Idee wird auch von dem sphärischen und faszinierenden Soundtrack von Ludwig Göransson getragen, die man nach dem Film noch lange im Unterbewusstsein mit sich trägt. Das ist das eigentliche Verdienst dieses Films: Man nimmt viel Neues mit von einer Geschichte, die man eigentlich schon in und auswendig kennt. Wann kann man das schon mal von einem Kinobesuch sagen.
